Wie regional kaufen wir wirklich?

€ 70,56 Bevor ich eine detaillierte Einleitung verfasse, bei welcher Sie, liebe Leserinnen und Leser, bereits nach dem ersten Satz auf die nächste Seite blättern, beginne ich diesen Artikel mit einer Frage: Wie regional kaufen wir heutzutage wirklich? Und? Haben Sie schon eine Antwort auf diese Frage gefunden? Nun, dann stellen wir die Frage mal andersrum: Was steht auf dem „Etikett“, woher kommen die Produkte, die Sie kaufen? Und auf einmal bemerken wir, dass wir die vorherige Frage doch etwas zu positiv beantwortet haben. Doch nun zum eigentlichen Thema: Mithilfe der digitalen Welt kaufen wir Produkte durch einen einfachen Maus-Klick. Manchmal gewollt und manchmal steht auf einmal ein Paket vor unserer Haustür, das wir ja anscheinend „gar nicht bestellt hatten :)“. – Doch jeder Online-Kauf ist eigentlich nur Folge eines erfolgreichen Online-Marketings. Naja, das wissen jetzt inzwischen schon die meisten. Erstaunlich wird es jedoch, wenn wir die Zahlen der Online-Käufe pro Jahr zu Gesicht bekommen. Denn anscheinend wollen wir nichts anderes als Opfer der digitalen Welt sein. Laut Statistik Austria hat der Konzern Amazon im Jahr 2020 alleine in Österreich einen Umsatz von 625,1 Millionen Euro erzielt. Zur Erinnerung: Es gibt 8,859 Millionen Österreicherinnen und Österreicher (Stand: März 2021). Wer jetzt gut in Mathematik ist, sagt: „Ja klar, dann hat ja jeder Österreicher 70,56 € im Jahr 2020 auf Amazon ausgegeben.“ Nun lassen wir uns diese Zahl mal bitte auf der Zunge zergehen ... 70,56 €!!! Wenn meine Oma nichts auf Amazon gekauft hat, habe ich 141 € ausgegeben, um den Schnitt zu halten. Wenn zusätzlich noch ein ein-jähriges Kind nichts auf Amazon gekauft hat, habe ich schon 212 € auf Amazon ausgegeben, um den Schnitt zu halten. Wie bereits erwähnt, wir sprechen hier „nur von Amazon“. Ich bin mir sicher, dass wir auch in anderen Online-Shops Produkte gekauft haben. Aber was hat dies mit Regionalität zu tun? Ganz einfach, stellen wir uns mal vor, wir hätten diese 70,56 € nicht auf Amazon, sondern beim nächsten Bauernhof ausgegeben. Stellen wir uns mal vor, wir hätten diese Summe in der nächsten Bäckerei ausgegeben. Selbst wenn es nur die Hälfte ist, haben wir die heimische Wirtschaft enorm unterstützt. Nun, bleiben wir für das nächste Beispiel beim „heimischen Bäcker“. Was braucht ein Bäcker zur Herstellung seiner Brote? Auf die Schnelle antworte ich hier: Mehl, Wasser, Salz und Hefe. Fangen wir beim Mehl an. Geben Sie in Google oder Safari ein: Woher kommt das Mehl in Österreich? – Als Antwort erhalten wir einen Artikel der Website Topagrar, in welchem Folgendes steht: „15 bis 20 % des Mehl-Getreides werden importiert.“ Und nein, wir sprechen hier nicht davon, dass es aus Wien, Graz oder Linz importiert wird, sondern aus dem Ausland. „Warum sollen wir also regional kaufen, wenn noch nicht einmal das Mehl vom Bäcker aus der Region kommt?“ Zuerst muss man sich hierzu überlegen, warum Bäcker überhaupt das Mehl im Ausland einkaufen. Die Antwort ist, weil sie ihre Produktionskosten so gering wie möglich halten müssen, um noch mit den großen ausländischen Konzernen, welche die Supermärkte beliefern, mithalten zu können. Aber wie können wir dies ändern? Nun, die Lösung für dieses gesellschaftliche Problem liegt darin, die Strategie des Imperiums Amazon auf den kleinen regionalen Bäcker zu übertragen. Im digitalen Marketing sprechen wir hierbei von Online-Werbung. Aber nicht die nervigen Banner oder POP-UP-Werbungen, die sowieso jeder wegklickt, sondern Social-Media-Werbung. Eine gut geführte Social-Media-Seite, in welcher Aktionen, News und sonstige Fun Facts präsentiert werden, zählt heutzutage zu einer der effektivsten Formen des Online-Marketings. Neben den im Vergleich zur klassischen Werbung geringen Werbekosten ist hier die Kommunikation mit dem Kunden selbst möglich. Kurz gesagt, es gibt neben einer Imageverbesserung kaum Streuverluste. Zu beachten ist jedoch, dass nicht jede Social-Media-Plattform für jede Zielgruppe geeignet ist. Facebook zum Beispiel steht für die Gruppe der über 35-Jährigen, Instagram hingegen für die Gruppe der 13-35-Jährigen. Dies waren jetzt sehr viel Informationen und Tipps für regionale Unternehmen, jedoch sollten wir Kundinnen und Kunden unseren heimischen Bäcker unterstützen, damit dieser nicht mehr etliche Rohstoffe aus dem Ausland importieren muss, sondern auch er wiederum den regionalen Handel unterstützen kann. Wir müssen aus unserem Teufelskreis herauskommen und regional kaufen! Dadurch wird nicht nur die heimische Wirtschaft gestärkt, sondern auch unsere Umwelt geschützt. Zudem sinkt unsere Abhängigkeit von Konzernen, die ihre Niederlassung in einem Land haben, in welchem wenig bis keine Steuern gezahlt werden. Klingt logisch, oder? – Doch nur durch Reden verändert man nicht viel, wir müssen handeln und die 70,56 € regional ausgeben! Julie Riedel, Maturaklasse HAK Reutte, Ausbildungsschwerpunkt Marketing. Bewusst die Region stärken Zunächst möchte ich Julie ein großes Kompliment für ihren Sprachrohr-Beitrag (Seite 26 und 27) aussprechen. Die Zahl des im Internet verschwundenen Betrages von 70,56 Euro pro Kopf-Österreicher war mir nicht bekannt, die Aufschlüsselung schockiert mich geradezu. Ehrlicherweise muss auch ich an dieser Stelle „mea culpa“ sagen und vermute, dass es Ihnen, liebe Leser, ähnlich geht. Hand aufs Herz – wer von Ihnen hat noch nie irgendetwas im Internet bestellt? Regionalität ist meiner Meinung nach eine Sache der Bewusstseinsbildung. Und hier möchte ich das Statement von Julie noch einmal unterstreichen, WIR müssen den Teufelskreis unterbrechen und regional einkaufen. Das Internet hat alles, nur keine regionalen Ausbildungs- und Arbeitsplätze. Als Redakteurin dieses Printmediums sind SIE es, die ich anspreche. Umfragen belegen, dass die Gruppe der Leser sehr groß ist, wenn man natürlich die heranwachsende Jugend als zukünftige Kunden nicht außer Acht lassen darf, die „jüngere“ Medien konsumieren. Die Kunden dieser Illustrierten sind Unternehmer, die mit Werbung diese Zeitschrift finanzieren und WIR gemeinsam sind es, die mit regionalen Einkäufen die Region stärken und damit Ausbildungs- und Arbeitsplätze in heimischen Unternehmen sichern. Das vergangene Jahr hat viel bewirkt, auch Positives. Meiner Ansicht nach ist das Bewusstsein für Regionalität, Nachhaltigkeit und die Wertschöpfung der Region und deren Erhalt gestiegen. Die Außerferner schätzen ihre Heimat, regionale Einkäufe stärken in all den genannten Belangen. Michaela Weber Redakteurin reuttener